Schön gefailt: Wieso Jessica Könnecke sich über Felgenreiniger wundert

Fails am Arbeitsplatz passieren wirklich allen: egal, ob es sich um ein fragwürdiges Design, eine schlechte Performance im Büro oder ein schiefgegangenes Experiment handelt, das die Chefin auf die Palme gebracht hat. In unserer neuen Reihe „Schön gefailt“ erzählen Gründer*innen und Unternehmer*innen jeden Freitag, was ihr größter Fail war, wie sie damit umgegangen sind – und was sie daraus gelernt haben und ihrem jüngeren Ich heute raten würden.

Heute erzählt Jessica Könnecke, die Gründerin von Mit Ecken und Kanten, dem ersten grünen Online-Outlet für nachhaltige B-Waren. Ihr wurden zu Beginn ihrer Gründung die Tücken des Onlineversands zum Verhängnis.

Jessica Könnecke, Gründerin des Online-Shops Mit Ecken und Kanten:

„Die Idee, einen Onlineshop für nachhaltige Produkte, die aufgrund kleiner Schönheitsfehler, einer alten Verpackung oder eines knappen Mindesthaltbarkeitsdatums normalerweise aussortiert und oft vernichtet werden, aufzubauen, kam meinem Umfeld zu Beginn sehr ungewöhnlich vor. Und klar, das war es auch. Ich wollte quasi ohne jegliches E-Commerce Knowhow einen Onlineshop auf die Beine stellen, um somit jede Menge Produkte vor der Tonne zu bewahren. Aber so einfach wie es klingt, war es dann doch nicht. Anfangs ging gerade beim Versand der Pakete eine Menge schief. Da wurden schon mal die Versandlabels von zwei Paketen vertauscht, so dass die Kund*innen am Ende anstatt ihres bestellten Duschgels und Shampoos eine Yogamatte in den Händen hielten. Ein anderes Mal beschwerte sich eine Kundin darüber, dass sie von uns Felgenreiniger zugeschickt bekommen hatte. Wir haben und hatten so ein Produkt aber nie in unserem Sortiment. Wir wissen bis heute nicht, warum sie dieses Produkt erhalten hat. Und dass die Pakete zu Beginn oft so stark beschädigt ankamen, weil einige Produkte während des Transports herausgefallen sind, davon brauchen wir eigentlich gar nicht zu reden.

E-Commerce ist ein wahnsinnig schnelllebendes Business. Das setzt einen, gerade am Anfang, schnell unter Druck und dabei passieren einem leider auch Fehler. Wir mussten lernen, unsere Prozesse, was den Versand oder auch die Kundenkommunikation angeht, zu optimieren, ohne überstürzt Entscheidungen zu treffen. Was ich damit meine: Veränderungen lieber langsamer und sorgfältiger angehen, als Dinge zu überstürzen. Das führt nämlich oft dazu, dass man zu hektisch und unkonzentriert arbeitet.

Gerade am Anfang Geduld zu haben, neue Prozesse tendenziell langsamer anzugehen und nicht jeden Fehler sofort persönlich zu nehmen. Wichtig ist dabei, sowohl mit den KundInnen, als auch innerhalb des Teams offen mit den eigenen Fehlern umzugehen. Also Probleme, was zum Beispiel den Versand angeht, direkt innerhalb des Teams anzusprechen und auch im Austausch mit den KundInnen zu stehen. So lassen sich scheinbar große Probleme relativ schnell aus dem Weg räumen und man kann gestärkt die nächste Challenge angehen.“

Unser Lerneffekt:

In ganz abgründigen Zeiten wird man vielleicht mal mit einem Felgenreiniger konfroniert. Wir alle müssen damit umgehen lernen, dass sich dieses Geheimnis wohl nie lüften wird. Deswegen: Weitermachen!

 

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