Schön gefailt: Wie Daniel Höly mal eine Schlusszeile verpennt hat

Fails am Arbeitsplatz passieren wirklich allen: egal, ob es sich um ein fragwürdiges Design, eine schlechte Performance im Büro oder ein schiefgegangenes Experiment handelt, das die Chefin auf die Palme gebracht hat. In unserer neuen Reihe „Schön gefailt“ erzählen Gründer*innen und Unternehmer*innen jeden Freitag, was ihr größter Fail war, wie sie damit umgegangen sind – und was sie daraus gelernt haben und ihrem jüngeren Ich heute raten würden. Heute erzählt Daniel Höly, der Gründer des Magazins Shift. Der diplomierte Exilhesse sitzt, steht und schläft meist in Rheinbach bei Bonn.

Daniel Höly, Chefredakteur des „Shift Magazins“:

Wir waren jung und naiv, als meine Frau und ich unsere Magazinidee in die Tat umsetzten. Nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne konnten wir „Shift“ im August 2013 schließlich in den Druck geben. 172 Seiten, 500 Gramm – „Shift“ Vol. 1 war ein wahres Meisterwerk geworden. Gespannt wie kleine Kinder auf den ersten Schultag fieberten wir der gedruckten Ausgabe entgegen. Und als sie endlich da war, freuten wir uns über beide Ohren. Ein herrliches Gefü … WHAT?! Da entdeckten meine Augen beim Durchblättern doch tatsächlich einen dicken, fetten Fehler: Bei einem Artikel fehlte die letzte Zeile. Mein Herz rutschte in die Hose. Wie konnte uns das nur passieren?

Schnell wurde mir klar, wie sich der Fehler eingeschlichen hatte: Kurz vor Druckschluss nahmen wir eine kleine Textänderung vor, wodurch der Artikel eine Zeile länger wurde. Da der Textrahmen aber unverändert blieb, flog somit die Schlusszeile aus dem Layout und keiner bemerkte im Eifer des Gefechts etwas. In dem Moment erlebte ich einen der großen Nachteile von Print hautnah: Fehler lassen sich hier nicht mehr nachträglich ausbügeln. Au backe – und das bei der ersten Ausgabe! Was jetzt wohl die Leser denken werden? Wenige Tage später bekamen wir per Mail die Antwort: Ein Leser lobte uns für unsere genial-kreative Leistung, den Artikel einfach mitten in Satz enden zu lassen. Die Moral von der Geschicht? Features hat man, Bugs nicht.

Heute, sechs Jahre später, kann ich darüber nur schmunzeln. Wäre ich doch damals schon so gelassen gewesen. Denn wie heißt es so schön? Better done than perfct. In diesem Sinne: Shift happens.

Unser Lerneffekt:

Fehler passieren – und nicht alle Nachrichten, die man von Leser*innen erhält, weisen nur auf Manko hin. Manchmal sitzt die Kritik, die man an sich selbst adressiert, eben ein bisschen tiefer. Und wird von allen anderen schneller verziehen.

 

Mehr Fails gefällig?

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