Schön gefailt: Wie der „Jetzt teilnehmen“-Button beinahe SofaConcerts verhindert hätte

Fails am Arbeitsplatz passieren wirklich allen: egal, ob es sich um ein fragwürdiges Design, eine schlechte Performance im Büro oder ein schiefgegangenes Experiment handelt, das die Chefin auf die Palme gebracht hat. In unserer neuen Reihe „Schön gefailt“ erzählen Gründer*innen und Unternehmer*innen jeden Freitag, was ihr größter Fail war, wie sie damit umgegangen sind – und was sie daraus gelernt haben und ihrem jüngeren Ich heute raten würden.  Heute erzählen die beiden die Gründer*innen von SofaConcerts, Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt. Sie bringen Fans und Künstler*innen bei SofaKonzerten zusammen – ganz anders, als es ursprünglich der Plan war.

Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt, Gründerinnen von SofaConcerts:

Am Anfang unserer Unternehmensgeschichte standen zwei junge Frauen, eine große Vision und mindestens ebenso große Naivität. Unser Ziel: mit SofaConcerts professionelle Newcomer-Künstler*innen mit Musikfans weltweit vernetzen und ihnen die Möglichkeit geben, selbst Konzerte zu organisieren und Bühnen zu schaffen, die es vorher nicht gab. Wir wollten nicht nur, dass Musikfans wie wir einfach Konzerte veranstalten können, sondern auch, dass man als Fan zu privaten Sofakonzerten dazukommen kann.

Und das sollte natürlich alles am besten sofort passieren. Als aus dem geplanten Launch Mitte 2013 dann doch langsam Anfang 2014 wurde, wurde uns klar, dass wir Abstriche machen müssen. So waren wir froh, dass irgendwann wenigstens die Kernfunktionalität einigermaßen stand und haben – mit großen Bauchschmerzen, aber noch größerer Begeisterung – gelauncht.

Man konnte zwar Künstler*innen finden und Konzerte vereinbaren, aber die Ankündigung der Konzerte war völlig basic und der Anmelde-Mechanismus bei Weitem nicht fertig. Beim Klick auf den „Jetzt am Konzert teilnehmen“-Button, hatten wir – provisorischerweise – folgendes Pop-up integriert: „Diese Funktion wird erst in wenigen Tagen freigeschaltet.“ Damals glaubten wir allen Ernstes, dass wir das „in wenigen Tagen“ nachschieben würden …

Nach einigen Wochen und etlichen Nutzeranfragen konnten wir nicht mehr mit dieser Behauptung leben, und so änderten wir den Text auf „Diese Funktion wird in Kürze freigeschaltet.“ Irgendwann mussten wir einsehen, dass wir mit der unvollständigen Funktion mehr Unzufriedenheit und Support-Aufwand schaffen als tatsächlichen Mehrwert. Und da die Gästeliste und Teilnahme-Funktion „nur“ ein Value-Added-Feature und nicht existenziell für das Geschäftsmodell war, flog das Feature schließlich komplett von der Seite. Das tat richtig weh und fühlte sich lange wie eine große Niederlage an.

The good news is (spoiler alert): Auch wenn es sich so anfühlte, war das nicht das Ende der Geschichte. Heute kann tatsächlich jeder Musikfan bei SofaConcerts nicht nur selbst Konzerte veranstalten, sondern auch als Gast an Sofakonzerten teilnehmen. Das Ganze hat allerdings über vier Jahre gedauert und zwischenzeitlich war so viel los, dass wir selbst nicht mehr daran geglaubt haben, dass wir das Feature doch noch verwirklichen können.

Unsere Learnings:

  • Prioritäten sind ein Arschloch. Es tut manchmal richtig weh, zu priorisieren, aber wenn man bootstrapped, hat man keine andere Wahl.
  • Mut zur Lücke: Manchmal ist es besser, eine unvollständige oder schlechte Funktion komplett zu kicken, anstatt sich selbst und die Community mit übermäßigem Optimismus und unrealistischen Versprechungen zu frustrieren. Das Eingeständnis des „Versagens“ kann sehr erleichternd sein und schafft Freiheit, sich auf die aktuellen Prioritäten zu fokussieren.
  • Die meisten Niederlagen sind nicht endgültig: Auch wenn man Ideen begraben muss, heißt das nicht, dass man sie zu gegebener Zeit nicht wieder ausgraben kann.

Mehr Fails gefällig?

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