Mariana Ilic
„Wir müssen uns mit der Kraft, die wir hier haben, mit den Unternehmen, den Start-ups und den Innovationen einfach nicht verstecken.“
„Wir müssen uns mit der Kraft, die wir hier haben, mit den Unternehmen, den Start-ups und den Innovationen einfach nicht verstecken.“

Mariana Ilic

CEO des ruhrHUB & Initiatorin des r26 Festivals | Vernetzerin für Innovation, Start-ups und Unternehmertum im Ruhrgebiet
Pottografie

Mariana Ilic ist CEO des ruhrHUB und gestaltet die Innovations- und Start-up-Landschaft im Ruhrgebiet aktiv mit. Gemeinsam mit Städten, Unternehmen und Gründerinnen und Gründern stärkt sie das regionale Ökosystem und entwickelt mit dem r26 Festival das ehemalige ruhrSUMMIT zu einem Business-Festival für Innovation, Unternehmertum und Vernetzung weiter. Zuvor war sie viele Jahre im Personalwesen tätig und bringt heute ihre Erfahrung aus HR, Unternehmensentwicklung und Markenaufbau in ihre Arbeit ein. Als Beiratsmitglied und Unternehmerin engagiert sie sich zudem für die Förderung von Innovation und Unternehmertum. Obwohl sie inzwischen in Berlin lebt, bleibt ihre Verbundenheit zum Ruhrgebiet groß. Sie setzt sich dafür ein, die Stärken der Region sichtbarer zu machen, Menschen zu vernetzen und das Selbstbewusstsein des Ruhrgebiets als Wirtschafts- und Innovationsstandort weiter zu stärken.
Interview mit Business Punk Chefredakteur Oliver Stock: [Oliver Stock]: Hallo Mariana, stell dich doch bitte einmal vor. [Mariana Ilic]: Ich bin Mariana, 37 Jahre alt, gebürtige Essenerin und komme somit aus dem Pott. Ich bin Geschäftsführerin des ruhrHUBs. Das ist ein Zusammenschluss von Ruhrgebietsstätten, die das Thema Innovation und Start-ups in der Region vorantreiben wollen. Ich bin auch Initiatorin des R26 Festivals, das jetzt am 1. und 2. Juli hier in Bochum stattfindet. Das ist es im Großen und Ganzen zu meiner beruflichen Situation. Ich lebe tatsächlich seit drei Jahren in Berlin. Aus privaten Gründen. Ich wollte auch einfach mal eine neue Erfahrung sammeln. Dadurch bekommt man eine ganz andere Perspektive auf das Ruhrgebiet. Und genau deswegen, freue ich mich immer darüber zu reden. [Oliver Stock]: Du bist ja quasi ein Querschnitt vieler Akteure im Ruhrgebiet und hast einen guten Überblick. Wie vergleichst du Berlin und das Ruhrgebiet? Vielleicht kannst du deine Eindrücke vom Umzug nach Berlin schildern. Was ist aus deiner Sicht der Hauptunterschied zwischen Berlin und dem Ruhrgebiet? [Mariana Ilic]: Ja, das Selbstbewusstsein ist ganz klar. Die Berliner sind laut, sie sind überall und erzählen von allem, was sie tun, egal, ob es gut oder schlecht ist. Und ich finde, wir im Ruhrgebiet dürfen auch selbstbewusster sein, wir dürfen auch lauter sein. Das merke ich schon, denn wir müssen uns mit der Kraft, die wir hier haben, mit den Unternehmen, den Start-ups und den Innovationen, einfach nicht verstecken. Aber oftmals reden wir noch nicht laut genug darüber. Und ich glaube, das ist für mich der größte Unterschied: Die Berliner können nicht mehr, aber sie sind lauter, und das stelle ich immer wieder fest. [Oliver Stock]: Wenn du das Ruhrgebiet auf ein paar Dinge runterbrichst, was zeichnet es dann aus? [Mariana Ilic]: Das klingt klischeehaft, aber für mich sind das wirklich die Menschen. Also diese bodenständigen Menschen, dieser Zusammenhalt, das gegenseitige Unterstützen, das Eröffnen eigener Netzwerke, damit andere davon profitieren. Ich finde, wir haben hier einen starken Zusammenhalt, weil wir gemeinsam Dinge erreichen wollen. Das finde ich total schön. In anderen Städten, wie zum Beispiel Berlin, ist es anders. Dort ist man oftmals mehr auf sich selbst fokussiert, jeder ist der Beste. Ich finde, das können wir im Ruhrgebiet wirklich viel besser. Deswegen sind die Menschen für mich hier sehr herausragend. [Oliver Stock]: Welche Persönlichkeiten aus dem Ruhrgebiet waren bislang prägend für dich? [Mariana Ilic]: Ja, das kann ich gar nicht auf einzelne Personen herunterbrechen, um ehrlich zu sein. Ich bin jetzt seit einigen Jahren in der Innovations- und Start-up-Szene unterwegs und finde, dass die Unternehmer und Unternehmerinnen, die wir haben, so ein Stück weit auch Vorbilder sind. Von ihnen ziehe ich Kraft, weil wir so viel Mut haben und auch mal anders denken. Diese Summe an Unternehmerinnen und Unternehmern sind für mich prägende Persönlichkeiten. Ich möchte gar nicht einzelne Personen herausheben, sondern betone lieber das Gemeinschaftliche: Wir packen es an, wir machen etwas Eigenes, wir stellen etwas auf die Beine. Das finde ich hier einfach ganz toll. [Oliver Stock]: Wenn du jetzt den Berlinern vom Ruhrgebiet erzählst, welche Dinge erzählst du ihnen dann, vor allem den Berlinern, die noch nie hier waren? [Mariana Ilic]: Genau das! Kommt her und lernt uns kennen, lernt die Menschen und unsere Kultur kennen. Das habe ich erst so richtig zu schätzen gelernt, seitdem ich nicht mehr hier lebe. Ich war zum Beispiel immer der Meinung, dass ich ganz normales Hochdeutsch spreche. Aber die Berliner merken immer sehr schnell, dass ich nicht von hier bin. Sie fragen dann zum Beispiel: „Du hast einen merkwürdigen Akzent. Wo kommst du her?” Du hast einen komischen Dialekt. Wir haben einfach eine Kultur hier, so ist es eben. Das wirklich zu erleben und kennenzulernen, versuche ich immer wieder, den Leuten nahezubringen. Auch letztes Jahr hatten wir beim ruhrSUMMIT schon viele Menschen von außerhalb im Ruhrgebiet und die meisten haben gesagt, dass sie auf jeden Fall wiederkommen, allein schon wegen der Menschen. Das hat mich hier so berührt, die Menschen sind so toll, das ist etwas Herausragendes. Aber natürlich ist auch der Wirtschaftsfaktor, den wir hier haben, immer unterschätzt. Die KMUs, aber auch die großen Konzerne. [Oliver Stock]: Welche Orte im Ruhrgebiet besuchst du gerne? [Mariana Ilic]: Ich bin Essenerin, deshalb ist es für mich selbstverständlich, dass ich meine Stadt liebe. Ich genieße es, in Essen zu sein, am Baldeneysee, im Grugapark oder auf Zollverein. Wenn man als Besuch von außerhalb kommt, lernt man seine eigene Stadt auch nochmal anders kennen. Das habe ich jetzt auch schon ein paar Mal miterlebt. Deswegen ist Essen für mich natürlich meine Herzensstadt. Aber ich bin auch beruflich sehr viel im Ruhrgebiet unterwegs. Der Vöningsee in Dortmund, aber auch das Bermuda-Dreieck in Bochum. Wir haben so viele wertvolle und tolle Touchpoints, die es woanders nicht gibt. Wir haben kurze Wege und können alles schnell erreichen. Das ist auch noch mal ein Pluspunkt bei uns. [Oliver Stock]: Gehen wir kurz zum ruhrHUB über. Welche Start-ups hat der ruhrHUB bislang hervorgebracht? Gibt es Projekte, die man sozusagen ins Schaufenster stellt? Wie kann man ruhrHUB also ganz schnell durch ein oder zwei Beispiele greifen? [Mariana Ilic]: Auch da möchte ich ehrlich sein und sagen, dass ruhrHUB keine Start-ups erfunden hat. Wir unterstützen sie und das ist auch ein Zusammenschluss. Das machen nicht nur wir, sondern auch die eigenen Städte. Mir fällt zum Beispiel die Logistikbude aus Dortmund ein. Das ist ein sehr erfolgreiches Start-up. Es wurde nicht nur vom ruhrHUB unterstützt, sondern ist auch durch einen Accelerator bei uns gelaufen. Dabei hat es sicherlich einige Erkenntnisse gewonnen. Aber auch die Stadt Dortmund, die Stadt Bochum, die Stadt Essen, Mülheim und so weiter machen wahnsinnig viel für die Start-ups. Deswegen auch hier wieder das Gemeinschaftliche. Wir pushen unsere Start-ups gemeinsam. Darauf kommt es an und das ist auch der ruhrHUB. [Oliver Stock]: Könntest du das neue Konzept des ruhrSUMMITS noch einmal kurz erklären? [Mariana Ilic]: Sehr gerne, genau. Damit möchten wir ein neues Kapitel für das Ruhrgebiet aufschlagen. Bislang war der ruhrSUMMIT sehr stark von Start-ups geprägt, da er aus dem ruhrHUB heraus entstanden ist. Was wir gerade schaffen, ist ein Business-Festival, das sich nicht nur an Start-ups, sondern auch an den Mittelstand, an Corporates und an alle richtet, die sich für die Themen Innovation und Unternehmertum interessieren. Jedes Jahr fahren wir alle nach München zur Bits & Pretzels oder nach Hamburg zur OMR. Eine solche Schlagkraft, ein solches Event möchten wir jetzt mit dem R26 Festival im Ruhrgebiet schaffen. Das ist jetzt das erste Jahr in dieser Form. Wir sind zwei Tage lang da, haben ein tolles Line-up und Gimmicks wie das Matching Wheel, bei dem man in einem Riesenrad ein One-to-One-Matching erleben kann. Wir haben die Trinkhalle, um allen, die von außerhalb zu uns kommen, zu zeigen, was Ruhrgebietskultur ist. Wir möchten raus aus dem klassischen Messe-Konzept und hin zu einem Business-Festival. Hier kannst du Wissen mitnehmen, dich vernetzen und auch gerne Spaß haben. [Oliver Stock]: Super! Was würdest du jungen Menschen, die hier im Ruhrgebiet aufwachsen, mit auf den Weg geben, die auch Vorbilder und Inspiration suchen? [Mariana Ilic]: Die findest du hier an jeder Ecke. Sprich mit den Leuten! „Talk to Strangers” ist einer unserer Leitfäden, auch für das R26-Festival. Und genau das meine ich damit. Die Leute sollen miteinander reden, sich vernetzen und das Selbstbewusstsein haben, auch mal auf andere zuzugehen. Seid laut, redet darüber, was ihr machen möchtet, und sprecht mit anderen Leuten darüber. Vielleicht können sie euch Tipps geben oder euch an andere Partner weiterempfehlen. Du musst es nicht alleine schaffen. Du musst nicht in deinem Kämmerchen sitzen. Geh raus. Das Ruhrgebiet ist groß und bietet so viel Potenzial. Nutze es einfach. [Oliver Stock]: Letzte Frage, was ist deine Vision für das Ruhrgebiet 2030? [Mariana Ilic]: Dass wir noch enger zusammenwachsen, dass wir noch mehr rausgehen aus diesem städtischen Denken und mehr hin zu dem Wir-Sind-ein-Ruhrgebiet. So treten wir auf [Oliver Stock]: Super Mariana, in diesem Sinne: Glück auf! [Mariana Ilic]: Vielen Dank, Glück auf!
„Talk to Strangers. Die Leute sollen miteinander reden, sich vernetzen und das Selbstbewusstsein haben, auf andere zuzugehen.“