Schön gefailt: Wieso der Black Friday für das Label Motel a Miio zum Riesenproblem wurde

Fails am Arbeitsplatz passieren wirklich allen: egal, ob es sich um ein fragwürdiges Design, eine schlechte Performance im Büro oder ein schiefgegangenes Experiment handelt, das die Chefin auf die Palme gebracht hat. In unserer neuen Reihe „Schön gefailt“ erzählen Gründer*innen und Unternehmer*innen jeden Freitag, was ihr größter Fail war, wie sie damit umgegangen sind – und was sie daraus gelernt haben und ihrem jüngeren Ich heute raten würden.

Heute erzählen Anna von Hellberg und Laura Castien, die gemeinsam Motel a Miio gegründet haben. Das Münchener Pottery-Label fokussiert sich auf handbemalte Keramik aus Portugal.

Anna von Hellberg und Laura Castien von Motel a Miio:

In unserer Firmengeschichte können wir uns auf gleich zwei drastische Fails berufen. Beide, würden wir sagen, sind aus Unerfahrenheit passiert.

Erst mal zum ersten: In unserem Berliner Store hatten wir am Anfang vergessen, den Strom umzumelden und die Rechnungen zu bezahlen. Das lag auch daran, dass die Rechnung nicht an der richtigen Adresse ankam – und bei uns einfach untergegangen ist. Deswegen war ganz plötzlich, mitten am Arbeitstag, der Strom im Store aus und die Leute standen im Dunkeln. Das war ziemlich peinlich, weil auch noch Winter war und wir nicht schon um 17 Uhr – also zwei Stunden früher – schließen mussten, weil wir so schnell nichts anderes organisieren konnten. Und, klar: Auch die Kasse ging ohne Strom natürlich nicht mehr. Deswegen konnten wir zwei Tage lang nur bei Tageslicht offen haben und nur bar kassieren. Erst als die Zahlung beim Stromanbieter eingegangen war, hatten wir wieder Strom. Das wird uns in Zukunft nicht mehr passieren. Mittlerweile haben wir für alle Rechnungen Daueraufträge.

Der zweite Fail ist uns erst letztes Jahr passiert. Da ist uns unser Online-Shop am Black Friday Sale regelrecht um die Ohren geflogen. Wir hatten einfach nicht mit so vielen Bestellungen gerechnet und vergessen, vor der Aktion den richtigen Warenbestand einzugeben beziehungsweise anzupassen. Die Produkte sind uns reihenweise ausgegangen – und wir mussten uns bei sehr, sehr vielen Kund*innen entschuldigen. Der Aufwand, alle zu informieren und Produkte nach Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt nachzusenden, hat uns viel Zeit und Nerven gekostet. Und natürlich hatten wir Angst, dass uns die Kund*innen das sehr verübeln würden und nicht mehr bei uns bestellen wollen. Deswegen haben wir ihnen jeweils ein Entschuldigungsschreiben beigelegt mit einem Rabatt für die nächste Bestellung – und einen kleinen Keramikfisch. Kund*innen, bei denen wir nichts versenden konnten, haben wir gleich eine Mail geschrieben.

Definitiv würden wir beim nächsten Black Friday vorher den Bestand anpassen und es so regeln, dass die Dinge, die ausverkauft sind, nicht mehr online verfügbar sind. Das klingt zwar logisch, aber wir hatten das damals nicht gemacht. Aus einem ganz einfachen Grund: Wir hatten uns einfach nicht vorstellen können, dass der Sale so einschlagen würde. Glück im Unglück sozusagen!

Unser Lerneffekt:

Ein Fail ist kein Fail. Immer erst mal die Rechnungen begleichen, damit die Kund*innen nicht im Dunkeln stehen nüssen – und wenn es schon mit dem Bestand und der Warenauslieferung nicht so gut klappt, dann wenigstens offen kommunizieren.

Mehr Fails gefällig?

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Business Punk Redaktion

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